An der Tunnelbaustelle in Oberwinden, am künftigen Ostportal, sind die Vorbereitungen für den ersten Vortrieb weitgehend abgeschlossen. Demnächst wird gesprengt.

Bericht in der Badischen Zeitung vom 8.11.2019 heir:

https://www.badische-zeitung.de/sprengungen-fuer-den-brandbergtunnel-gehen-los

Bauaufsicht Hansjörg Nopper vom RP und Tunnelbauleiter Isidor Moser (v.l.) vor dem künftigen Vortunnel des Ostportals: Am Übergang zur „Ortsbrust“ (Tunnelwand) werden die ersten Bohranker ins Gewölbe gedreht. Foto: Nikolaus Bayer

30 Mineure der deutsch-schweizerischen Arbeitsgemeinschaft Baresel-Heitkamp sind in Tag- und Nachtschichten am Werk. Sie werden rund vier Jahre im blauen Containergebäude am Frohnacker wohnen und – zu jeweils einem Drittel – nur jede dritte Woche zuhause verbringen.

 


Die letzten Vorarbeiten verrichteten die Mineure an der sogenannten "Luftbogenstrecke", die bereits zum feierlichen Tunnelanschlag aufgerichtet worden war. Bei ihr handelt es sich um einen Teil der Außenschale des künftigen zehn Meter langen Tunnelvorbaus.

Die hier noch bestehende Lücke zur Portalwand wurde geschlossen und mit dem Auftrag einer Spritzbetonschicht begonnen. Dies war nötig, um bei Sprengungen einen seitlichen Materialauswurf auszuschließen. Unter diesem "Eingang" zur Baustelle liefen in dieser Woche noch die ersten Ankerbohrungen zur Verbindung der Schale mit dem Fels, so dass nun in Kürze mit den Sprengungen begonnen werden kann. Wie Tunnelbauleiter Isidor Moser beim Besuch der Baustelle mitteilte, soll dann täglich dreimal gesprengt werden.

Dafür wird es auf der B 294 jeweils kurze Sperrzeiten geben, die der Verkehrssicherheit dienen. Im Abstand von 300 Meter stehende Ampeln werden jeweils für etwa 15 Minuten auf Rot geschaltet. Autofahrer sollen so vor einem Fehlverhalten aufgrund der starken Detonation geschützt werden.

Früh um Sechs geht’s los


Der "erste Schuss", so Moser, werde immer um sechs Uhr morgens erfolgen; dann tritt eine Pause für Materialabfuhr und Sicherungsarbeit ein. Die weiteren Sprengzeiten hängen von deren Dauer ab und folgen ohne Verzug. Exakte Uhrzeiten lassen sich daher nicht angeben. Die Sperrungen des Verkehrs werden nach einem Vortrieb von etwa 100 Meter wegen abnehmender Detonationsstärke nicht mehr nötig sein. Das bedeutet aber, dass sie über etwa 25 bis 30 Tage bestehen werden.

Die Sprengtiefe ist je nach anzutreffender Gesteinsklasse verschieden. Pro Tag wird mit einem Vortrieb von drei bis vier Metern gerechnet; je Sprengung also mit einem Abschlag von etwa einem Meter. Dies ist nur etwa ein Zehntel dessen, was im Zuge der Felssicherungen abgesprengt wurde und führt deshalb auch zu einem weitaus gemäßigteren Einsatz von Sprengmitteln. Nach jeder Sprengung müssen aber auf dem beengten Baufeld verschiedenste Arbeiten mit wechselndem, koordiniertem Einsatz von Großgeräten durchgeführt werden, was den hohen Zeitaufwand im Tunnelbau erklärt.
Spieße in den Fels

Beim Brandbergtunnel kommt die "neue österreichische Tunnelbaumethode" zur Anwendung, erläuterte Moser weiter, der selbst aus Kärnten stammt. Die Betonschale dürfe keinen Druck haben. Deshalb werde bei jedem Meter Vortrieb an einem "künstlichen Gebirgsring" gebaut, für den Anker senkrecht in den Fels gebohrt und in Längsrichtung eingeführte, drei Meter lange Spieße damit verbunden werden. Genauso ist nach jeder Sprengung – Meter für Meter – die Tunnelaußenschale zur Gewölbesicherung herzustellen. Nach der Materialabfuhr sorgen Baggerfräsen für eine halbwegs glatte Leibung. Danach, so Moser, der alles ganz detailliert erklärte, folgen eine erste, dünne Schicht Spritzbeton, die erste Lage Gitternetze, dann das stählerne Bogengestell, das exakt eingemessen werden müsse, und die zweite Lage Gitternetze, was schließlich fast vollständig mit Beton angefüllt werde. Auch die jeweilige Ortsbrust erhalte zunächst eine dünne Betonauflage – gewissermaßen als Signalschicht, denn wenn im Gestein dahinter Probleme liegen, zeige sich dies sofort in Gestalt von Rissen, fügte der Bauleiter noch hinzu.

400 Kubikmeter Material am Tag

Pro Abschlag fallen etwa 100 Kubikmeter Material an, pro Arbeitstag etwa 400 Kubikmeter, die mit Radladern immer zuerst herausgeschafft werden müssen. Ein Teil davon bleibt auf der Baustelle, zunächst zur Schadstoffanalyse, teilweise auch zur Zerkleinerung. Mindestens drei Viertel wird abtransportiert. Dafür ist mit täglich bis zu 30 Lkw-Fuhren zu rechnen. Damit die B 294 aber nicht verschmutzt wird, ist auf der Baustelle, neben Betonmischanlage, Werkstatthalle und eigener Wasserversorgung, auch noch eine Reifenwaschanlage installiert worden. "Behinderungen sind einfach nicht zu umgehen", sagte Moser abschließend in seinem Bürocontainer. "Aber wir alle auf der Baustelle sind bemüht, möglichst zügig und ohne Komplikationen den Brandbergtunnel zu bauen."